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Wohnen, Leben, Arbeiten als weiblicher Solopreneur

Glücklich selbständig? Das geht?

Eine neue Blogparade kommt mir gerade für einen der ersten Artikel hier im Blog sehr gelegen. Sie stammt aus der Feder des von mir sehr geschätzten Peer, der seit gefühlten 20 Jahren 😉 bereits den Blog Selbständig-im-Netz beschreibt und betreibt. Ich bin stets schwer begeistert von Peers Bodenständigkeit und Authentizität und habe mir in vielen der ultra vielen Artikel Tipps von ihm geholt.

Nun aber geht es in der Blogparade um ein Thema, bei dem im Grunde jeder mitreden kann, der selbständig ist. Nämlich um die Frage: „Bist du glücklich selbständig?“. Vielleicht hat nicht jeder den Antrieb, das öffentlich im Netz zu diskutieren. Besonders wenn man die Frage eher mit „Nein“ beantworten möchte. Darüber wird ja eher selten gesprochen, wenngleich jeder Selbständige diese Erfahrung bereits gemacht hat. Da bin ich mir ziemlich sicher.

Bin ich echt glücklich selbständig?

Ich glaube, diese Frage lässt sich nur „aus dem Bauch heraus“ beantworten.

Ohne große Diskussion und ohne große Analyse. Entweder ist man glücklich oder nicht. Analysen und Diskussionen bringen nur dann etwas, wenn du unglücklich bist und diesen Zustand gern ändern würdest.

Ich kann heute sagen: „JA! Ich bin echt glücklich selbständig“.

Ich kann aber auch sagen: „Das war längst nicht immer so.“.

Glücksfaktoren der Selbständigkeit

Selbständigkeit und Glück gehören für mich unabdingbar zusammen. Die Selbständigkeit ist ein wesentlicher Teil deines Lebens. Bist du damit unglücklich, solltest du daran dringend etwas ändern. Das bedeutet nicht, dass du deine Selbständigkeit direkt aufgeben sollst. Aber darüber nachzudenken, was dich glücklich macht, wäre ein erster Schritt.

Fragt sich: was kann einen in der Selbständigkeit überhaupt glücklich machen? Sind es besonders viele Kunden, ein astreines Selbstmanagement, das Projekt, das durch die Decke geht?

Ich definiere für mich eine glückliche Selbständigkeit durch folgende Punkte:

#1 Die Arbeit macht mir Spaß und ich fühle mich wohl damit.
#2 Der Gewinn genügt für meine privaten Ausgaben und ermöglicht mir zusätzlich die Absicherung der Zukunft mir und meiner Familie.
#3 Ich kann meine Kreativität ausleben.
#4 Spontane Auszeiten, ausreichend Freizeit und Urlaube sind für mich machbar.
#5 Ich kann jederzeit eigene Ideen umsetzen.
#6 Ich kann jederzeit Veränderungen umsetzen.

Wie gesagt. Auch ich war nicht immer glücklich mit meiner Selbständigkeit. Und immer lag es daran, dass einer dieser Punkte über einen Zeitraum X nicht existent war oder zu kurz kam. Also versuchte ich Schritt für Schritt etwas daran zu ändern.

Das Mantra „selbst und ständig“ – und wehe, dein Job macht dir Spaß!

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber ich höre insbesondere von älteren Generationen immer wieder diesen (sorry) super nervigen Spruch „Ja ja, selbst und ständig….“.

Mir hängt er zum Hals raus. Einerseits weil er unterschwellig etwas negatives vermittelt á la „Wenn du selbständig bist, musst du dich nur noch abrackern und hast keine Zeit mehr zum Leben. Also lass es lieber sein, such dir eine 0815-Anstellung und mach daraus irgendwas.“.  Sandra von frau-frei-und.de hatte bereits im letzten Jahr dazu einen echt schönen Artikel verfasst.

Solch eine Aussage hat ja auch ein Stück weit Signalwirkung auf all jene, die mit dem Gedanken einer Selbständigkeit spielen. Und ich finde, diese Signalwirkung ist nicht gerade positiv und motivierend. Natürlich ist die Selbständigkeit nicht immer nur ein Zuckerschlecken, aber sie ist auch nicht immer nur schlecht, „selbst und ständig“.

Außerdem versetzte mich diese Aussage manchmal in den Modus „Hab ja keinen Spaß an deiner Selbständigkeit. Sonst könnte es vielleicht nicht nach Arbeit aussehen. Schließlich musst du ja selbst und ständig sein“. Als käme es darauf an, dass nur das Arbeit ist, was auch wirklich nach schwerer Arbeit aussieht. Ergo auch irgendwie keinen Spaß macht. Das habe ich ja schon mal in meinem Artikel zum Sommer Office angesprochen.

Ich finde, gerade wenn du dich selbständig machst, musst du jedoch UNBEDINGT Spaß an dem haben, was du auch immer tust. Ob du Texte schreibst, Bürokram für andere erledigst, dich mit Steuern beschäftigst, bloggst, programmierst, Designs entwickelst oder den ganzen Tag irgendwelche Produkte testest – ja, du MUSST Spaß daran haben, wenn du damit langfristig glücklich sein und deinen Lebensunterhalt damit verdienen möchtest.

Ängste, die unglücklich machen

Nun ist es nicht immer nur so, dass tatsächliche Umstände unglücklich machen. Ein Projekt, das in die Hose gegangen ist. Ein Kunde, der seit 12 Wochen seine Rechnung nicht zahlt. Ein Auftrag, den du super doof findest. Das ist die eine Seite des „Selbständigkeits-Unglücks“.

Die andere Seite sind häufig auch Ängste, die unglücklich machen. Ich bin nicht frei von Ängsten, erlebe aber immer wieder, dass Selbständige allein aufgrund ihrer Ängste unglücklich sind und nichts dagegen tun.

Einige der „Top Ängste“ sind unter anderem:

#1 Existenzangst (im Allgemeinen)
#2 Nicht genügend Einnahmen zu haben und irgendwann pleite zu sein.
#3 Nicht gut genug zu sein.

Klar, ich nehme mich da nicht aus. Ich habe, hatte und werde auch immer mal wieder eine oder mehrere dieser Ängste haben. Aber es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Vielmehr sollte man sie als Motor nutzen. Vorausgesetzt natürlich, diese Ängste bewegen sich in einem „normalen Rahmen“ und hindern dich nicht daran einen „normalen“ Alltag zu führen.

„Wie auch du in 3 Tagen glücklich und reich wirst“

Also, bitte. Ich hoffe wirklich, dass du solchen Headlines nie, nie, nie glauben schenken wirst. Glücklich kann man durchaus in 3 Tagen werden, aber reich? Und wirst du das Eine nur mit dem Anderen? Okay, durch Lottospielen wirst du vielleicht tatsächlich in 3 Tagen reich.

Das Problem an der Sache: für viele ist reich = glücklich. Und nicht reich = unglücklich.

Und das wiederum führt dazu, dass Leute ins Netz schreiben“ Wie du in 3 Tagen glücklich und reich wirst“ und im Anschluss nichts anderes tun als selbst ziemlich viel Geld damit verdienen, indem sie andere für dies oder das bezahlen lassen. Und sei dir sicher, nach 3 Tagen wirst du dennoch keinen sechsstelligen Betrag auf deinem Konto vorfinden.

Benutze deinen eigenen Verstand. Benutze dein Bauchgefühl. Und benutze deine Kreativität – statt solchen Headlines unbedingt glauben zu wollen!

Immer wieder die gleiche Entscheidung – nur der Weg wäre anders

Kurzum kann ich nach den ersten fünf Jahren Selbständigkeit sagen: Ich würde es immer wieder tun und mich selbständig machen. Mit dem Wissen von heute würde ich manches nur anders machen.

Welche Tipps ich dir geben kann

Eigentlich kann ich dir nur schlecht ganz allgemeine Ratschläge geben, da ich weder deine Situation kenne, noch sowas wie ein ausgebildeter Coach bin, der genau jetzt den ultimativen Tipp für dich hat.

Ich weiß nur, wie ich es gemacht habe und was ich immer noch aktiv mache, um glücklich mit dem zu sein, was ich tue. Hier mal meine „Happy-Hitlist“ 😉

#1 Höre auf dein Bauchgefühl und handle auch mal danach.
#2 Finde heraus, welche Aspekte deiner Selbständigkeit DICH glücklich machen.
#3 Fokussiere dich auf die Dinge, die dich glücklich machen.
#3 Finde heraus, welche Aspekte deiner Selbständigkeit DICH unglücklich machen. Eliminiere sie, indem du bspw. Aufgaben abgibst, Strukturen, Angebot, Prozesse (oder meinetwegen auch dein ganzes Geschäftskonzept) etc. aktiv veränderst.
#4 Gönne dir neben der Arbeit genügend Zeit, dich mit neuen Dingen zu beschäftigen bzw. mit Dingen, die dir Freude bereiten.
#5 Suche dir einen anderen Selbständigen, dem du sehr vertraust und der so etwas wie ein Mentor für dich sein kann. Besprich mit ihr/ihm einfach die Dinge, die dich in deiner Selbständigkeit beschäftigen. Du wirst merken, das regelmäßiges Reflektieren ungemein hilft, Entscheidungen zu treffen, die dich in die richtige Richtung führen.

Jetzt du!

Ich freue mich, wenn du mir und anderen Lesern hier eine kleine Notiz da lässt. Lass uns wissen, was dich in deiner Selbständigkeit glücklich oder unglücklich macht. Was tust du für Glück und was ist für dich eine glückliche Selbständigkeit?

Ich freu mich drauf!

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2 Kommentare

  1. Hallo Jasmina,
    Ein wirklich sehr interessanter und aufschlussreicher Artikel, der bei mir eine Frage aufwirft:
    Du schreibst, dass Du nicht immer glücklich mit Deiner Selbstständigkeit warst, dass es auch für Dich immer wieder einen der von Dir benannten Ängste gab, Du aber entschieden hattest, nicht den Kopf in den Sand zu stecken.

    Was waren aber die Momente, in denen Du unglücklich in Deiner Selbstständigkeit warst? Und wie gehst Du mit der Frage der finanziellen und sozialen Sicherheit in Deiner Selbstständigkeit um?

    Liebe Grüße
    joergmichael

  2. Hallo Jasmina,
    Deine Ängste kenne ich, wenn die aufkommen, male ich mir aus, was für mich tatsächlich das schlimmste Szenario sein könnte. Und dann geht es meist wieder 😉

    Diesen blöden Spruch „selbst und ständig = selbstständig“ kenne ich und mag ihn nicht. Ja, er kann stimmen, aber ich liebe meine Arbeit und ich liebe auch mein Privatleben. Beides ist nicht das Gleiche. Für mich bedeutet selbstständig sein: eigen- und selbstverantwortlich zu arbeiten und dabei auch eine gewisse Freiheit zu genießen. So passt die Arbeit gut in mein Leben und bedeutet nicht, dass ich nur durch sie etwas tauge.

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